Soziale Arbeit und Geld verdienen eins meiner Lieblingsthemen. In der Regel wird Soziale Arbeit nur so halb gut bezahlt, demgegenüber erfordert die Arbeit umfangreiche Ausbildung und Engagement.
Ich bin von Leib und Seele Sozialarbeiter und arbeite seit mehr als 20 Jahren in diesem Bereich.
Damit Soziale Arbeit auch wertentsprechend, gut bezahlt wird, gibt es unterschiedliche Methoden.
Eine Methode ist zum Beispiel einen Teil in der Sozialen Arbeit selbstständig zu arbeiten. Selbstständigkeit ist für viele zunächst unangenehm oder zumindest unbekannt. Selbstständigkeit ist aber nicht schädlich, sondern kann ein Gewinn sein, wenn man z. B. seine vierzig Stunden Stelle auf dreißig Stunden reduziert oder so ähnlich.
Mit einer solchen Aufteilung sind die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt und es entsteht Raum für Neues. Wenn Sie diesen Schritt geschafft haben, werden Sie bemerken, dass die Reduktion der Festanstellung (bei den nicht so üppigen Gehältern), wenig Verlust im Nettobereich ausmacht.
Das so gewonnene Zeitbudget können Sie z. B. über Werk- bzw. Honorarverträge nutzen. Werk- und Honorarverträge sind nicht nur für Studenten und „Menschen in Ausbildung“, sondern für alle, die ergänzend oder selbstständig bei einem Träger tätig sind.
Mit diesen Verträgen sind Sie zwar selbstständig, aber gelten in der Regel als Kleinunternehmer (solange Sie nicht mehr als 17.500€) verdienen und müssen keine Umsatzsteuer abführen. Sie geben also die Einnahmen schlichtweg in der Steuererklärung mit an, können aber zugehörige Rechnungen und Ausgaben Ihrerseits absetzen. Sollten Sie mehr als 17.500€ verdienen, sollten Sie über einen Wechsel in „volle“ Selbstständigkeit nachdenken.
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten in der Sozialen Arbeit mit einem Werk- oder Honorarvertrag zu arbeiten:
Sie können z. B. Schulen Projekte anbieten und diese dann per Honorarvertrag ausführen. Mit etwas Verhandlungsgeschick liegt der Stundensatz in solchen Bereichen zwischen zwanzig und dreißig Euro. Üben Sie Ihren Verhandlungsspielraum auszunutzen bzw. passgenaue Angebote zu erstellen.
Innerhalb der Gehaltsverhandlung entscheiden Sie, wie wichtig das Angebot für Sie ist und welche Alternativen Sie haben.
Je nachdem wie sie das machen, können sie also ganz simpel mit einmal in der Woche zwei Stunden Arbeit ca. fünfzig Euro verdienen, also zweihundert Euro pro Monat. Die sind in der Regel Netto.
Hinweis:
Bitte jeden Fall mit einem Steuerberater vor Beginn klären.
Als Kleinunternehmer in der Sozialen Arbeit können Sie so mit zwei Stunden pro Woche, im Jahr zweitausendvierhundert Euro verdienen.
Würden Sie die volle Kleinunternehmergrenze nutzen, könnten Sie mtl. ca. eintausendvierhundert Euro dazuverdienen. In unserem Beispiel mit fünfundzwanzig Euro Stundenlohn, wären das sechsundfünfzig Stunden im Monat, vierzehn Stunden pro Woche.
Neben dieser wirtschaftlichen Betrachtung gibt es aber noch eine andere Seite, die für Teilselbstständigkeit im Sozialen Bereich spricht. Manche Teile der Sozialen Arbeit sind sehr anstrengend bzw. fordernd. Insbesondere sind damit die Bereiche mit hoher Interaktionsdichte, z. B. mit suizidalen Tendenzen, Drogen oder komplizierten psychischen Problemen. Die Teilselbstständigkeit kann ein Ausgleich zu dieser Form der Sozialen Arbeit sein. Suchen Sie sich einen Bereich, der Ihnen einfach Spaß macht und dafür meist gut vergütet wird. Teilselbstständigkeit als Form der Psychohygiene und beruflichen Ausgleich.
Um ein Projekt anzubieten, können Sie sich an jeden Träger der Sozialen Arbeit wenden oder bei der Aktion Mensch sowie Städten und Gemeinden anbieten. Im Netz können Sie ebenso nach Förderungen suchen. Erinnert zwar ein bisschen an „Klinken putzen“, ist aber meist sehr lohnend.
Insgesamt sind Mittel- und Fördertöpfe relativ gut bestückt, Sie können sich damit auseinandersetzen und so evtl. weitere Anregungen gewinnen.
Eine andere Form der Teilselbstständigkeit ist z. B. Vorgutachten für das Jugendamt oder Psychologen zu schreiben. Fragen Sie z. B. beim Jugendamt oder Jugendhilfe nach, welche Gutachter für sie tätig sind und fragen direkt dort an. Bei Bedarf sind die Gutachter „froh“ um Selbstständige, die mitarbeiten. Hierbei sind die Stundensätze recht gut. Meist werden Sie je Vorgutachten bezahlt. Im Vorgutachten nehmen Sie alle Daten auf, die der Gutachter für das spätere Gutachten benötigt.
Gesetzlicher Betreuer ist eine weitere Art der Selbstständigkeit. Hierzu fragen Sie bitte beim Betreuungsgericht oder Betreuungsamt nach. Je nach Bundesland gibt es verschiedene Regeln und Kriterien, insgesamt fängt es in der Regel mit drei ehrenamtlichen Betreuungen und einigen Lehrgängen an. Wenn Sie dies erfolgreich absolviert haben, bekommen Sie elf Klienten zugeteilt und sind damit gesetzlicher Betreuer. Pro Klient können Sie bis zu vierundvierzig Euro pro Stunden verdienen, im Monat insgesamt zwischen zwei- und dreitausend Euro. Auf Dauer kann gesetzlicher Betreuer als Teilselbstständigkeit allerdings etwas umfangreich sein. Die „softere“ Variante ist eine Mitarbeit bei einem Träger, der im Betreuungsbereich arbeitet.
Ansonsten können Sie in jeder Form von Beratung, Coaching, Moderation oder als Coach arbeiten. Ein recht simples Beispiel ist einen Kochkurs an einer Volkshochschule anzubieten. Machen Sie Bildungsträgern ein Angebot, z. B. den Universitäten, Volkshochschulen oder Bildungsträgern.
Werk- und Honorarverträge finden sich in allen Bereichen der Sozialen Arbeit, auch in Sport oder Ausflügen oder Reisen.
Wenn Sie noch keine konkrete Idee haben, können Sie auch einfach in den Stellenanzeigen schauen und sich auf diese „Stellen“/Bereiche als Honorarkraft bewerben.
Eine weitere positive Seite dieses Zuverdienstes, sind die gemachten Erfahrungen und Kontakte sowie der Ausgleich zu einem vielleicht stressigen Teil der Sozialen Arbeit.
Ein kleiner Hinweis: Lassen Sie sich für jede Arbeit ein Zeugnis erstellen, evtl. können Sie auch so Zeiten für das Studium anerkannt bekommen oder die Praktikazeit verkürzen.
Das Ehrenamt ist eine weitere Form von Zuverdienst, allerdings ohne Selbstständigkeit. Im Ehrenamt können Sie im Rahmen der Übungsleiterpauschale zweihundert Euro mtl. steuerfrei hinzuverdienen. In jeder größeren Stadt finden sich zentrale Register für ehrenamtliche Arbeit, Sie können aber auch einfach zu einem Träger ihrer Wahl gehen und Fragen. Letztlich kann der Ehrenamtsträger ihr zukünftiger Arbeitgeber sein. Mit ihrer guten Arbeit, haben Sie dann schon alles zum Überzeugen ihres Arbeitgebers getan.
Die Vorteile sind:
Sie lernen viele Bereiche der Sozialen Arbeit kennen
Sie verdienen Geld (auch während des Studiums)
Sie knüpfen Kontakte
Sie lernen sich selbst und ihre Ressourcen im Sozialen Bereich kennen
Betreutes Wohnen in Familie (BWF) ist eine weitere Sonderform der Selbstständigkeit. Haben Sie z. B. ein Zimmer frei, können Sie Menschen z. B. mit psychischer Behinderung aufnehmen. Fragen Sie die Träger vor Ort. In diese Form der Selbstständigkeit gehören auch stundenweise Betreuungen für Klienten des Jugendamts oder Pflegekinder.
Reflektieren Sie sich möglichst bewusst. Soziale Arbeit macht Spaß, kann aber auch sehr anstrengend sein. Versuchen Sie möglichst einen Ausgleich zu schaffen, noch besser, wenn er gut bezahlt wird und Spaß macht.
Seien Sie im Vorhinein aktiv, fragen Sie bei Zeiten z. B. beim Jugendamt, Betreuungsamt oder Ihrer Stadt oder Gemeinde welche Möglichkeiten und Förderungen es für selbstständige Arbeit gibt. Sprechen Sie mit Vereinen, um z. B. Projekte anzubieten. Fragen Sie bei Schulen welche Möglichkeiten es als Vertretungslehrer, Projektarbeit oder in der Hausaufgaben/Kinderbetreuung gibt. Auch die Unterrichtsgarantie (UPlus) fällt hierunter.
Sammeln Sie Daten und Kontakte, überlegen Sie sich wie viel Sie auf Dauer mit welcher Arbeit verdienen wollen. Viele Studenten finanzieren sich ihr Studium selbst, andere z. B. ihre Fortbildungen, auf die Zeit sollte sich das auch lohnen bzw. bezahlt machen.
Ein recht junges und lohnendes Arbeitsgebiet ist das Sozialmanagement. Allerdings auch eine recht wirtschaftliche Form der Sozialen Arbeit, meist ohne Kundenkontakt. Hierunter fallen alle Bereiche der Sozialen Arbeit und des Gesundheitsmanagements. Tatsächlich werden die Managementjobs wirklich recht gut bezahlt.
Im Sozialmanagement übernehmen Sie Aufgaben der Organisationsberatung oder strukturieren Prozesse und Aufgaben. Sozialmanager werden in der Regel deutlich besser bezahlt als Mitarbeiter der Sozialen Arbeit.
Insgesamt ein Plädoyer für eine aktive Form des Geldverdienens. Überlegen Sie sich die Möglichkeiten. Klären Sie bei Zeiten, ob Sie eine Betreuung übernehmen möchten, ehrenamtlich tätig sein, ein Projekt anbieten, als Dozent oder Vertretungslehrer an Unis, Schulen oder Volkshochschulen arbeiten möchten…
Stellen Sie Ihre Karriere auf weitere Standbeine.
Das neue Betreuungsgesetz 2023 bringt eine erhöhte Selbstbestimmung für Klienten:innen und stellt gleichzeitig höhere Anforderungen an Berufsbetreuer:innen. Berufsbetreuer:innen werden oft dann eingesetzt, wenn Menschen aufgrund ihrer eigenen Einschätzung oder aus professioneller Sicht nicht mehr in der Lage sind, sich selbst vollständig zu versorgen, und niemand aus ihrem persönlichen Umfeld die Betreuung übernehmen kann oder möchte. Die Rechte und Möglichkeiten der Berufsbetreuer:innen zur Gewährleistung des Wohlergehens und der Erfüllung der Wünsche der Betroffenen werden durch ein Gesetzeswerk festgelegt. Das neu eingeführte Betreuungsorganisationsgesetz (BtOG) ersetzt das bisherige Betreuungsbehördengesetz. Die Reform des Gesetzes war dringend erforderlich, und obwohl es nun endlich verabschiedet wurde, gibt es weiterhin Diskussionen darüber. Die Entscheidung über den Umfang einer Betreuung und die damit verbundenen Bereiche obliegt weiterhin dem Gericht. Für viele mag es surreal ...
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